Meine Ahnen


Die Straub - Müller in Geislingen.



Geislingen nennt sich die Stadt der fünf Täler. Diese sind durchflossen von der oberen und mittleren Fils, der Rohrach, dem Lengen- und dem Eybach. An Wasser zum Betzrieb von Mühlen mangelte es also nicht, auch nicht an Mahlkunden, sie wurden zu wesentlichem Teil von den Albdörfern auf der wasserarmen Hochfläche gestellt. So lassen sich im Raum der Gesamtmarkung von Geislingen nicht weniger als 11 Kornmühlen aufzählen. Diese Geislinger Werke lagen nicht etwa an der Fils sondern am Eybach und der Rohrach. Allein die letztere bildete mit ihren kaum versiegenden Quellen und ihrem starken Gefälle die Triebkraft für neun Mühlen.


Durch das Tal der Rohrach führte schon im Mittlelalter eine Landstraße zur Verbindung des Filstales mit dem Donaugebiet, "eine Steige" vom Tal zur Höhe, die "Rohrachsteige" oder "Rorgensteige". An ihr entstand - schon vor der Stadtgründung Geislingens - eine Raststätte für Fuhrleute und Zugpferde, der Weiler Rorgensteig. Innerhalb seines Etters lagen die Steig- und Rorgensteigmühlen.


Die 'Untere Steigmühle' und die 'Obere Steigmühle' hatten den Bauern der Albgemeinden Amstetten, Oppingen, Reutti und Hofstetten ihre Frucht zu mahlen, diese waren hierher gebannt.
Das führte, wie anderwärts, zu mancherlei Reibereien, welche der Ulmer Rat schlichten wollte, indem er 1530 den in Betracht kommenfen Ortschaften anheimstellte, die 'ledig' gewordene Untere Steigmühle 'an sich zu lösen' d. h. sie selbst in Bewirtschaftung zu übernehmen. Dazu kam es jedoch nicht; doch verfuhren die Beamten in Geislingen künftig recht milde in der Berurteilung von Vergehen gegen die Müllerbanngesetze. Eine zeitlang erlaubten sie sogar, daß die Rorgensteigmüller in den Albdörfern, welche den Steigmühlen zugewiesen waren, Frucht zur Verarbeitung zu holen. Das wurde jedoch bald wieder untersagt.
Es war auch nicht mehr nötig, als auf der 'Oberen Steigmühle' ein Müllergeschlecht aufzog, das sich bis zur Neuzeit das Vertrauen der Kundschaft erwarb. Vom Jahr 1655 melden die Ulmer Ratsprotokolle: "Stefan STRAUB wird die Mühle ob der Rorgensteig auf ein Jahr eingeräumt". Dieser Müller war ein Sohn des Marx STRAUB von Hausen/Fils. Sein Bruder Georg hatte die Elterliche Mühle erhalten und Stefan war also probeweise die Obere Steigmühle verliehen worden. 350 Jahre hindurch bis Heute verstanden es die STRAUB, dieses Besitztum zu wahren.


Interessen geschäftlicher und verwandschaftlicher Art verbanden seit langen Zeiten die Obere und die Untere Steigmühle, denn auch auf dieser saßen zeitweise die STRAUB und von 1743 bis 1806 wurden beide Anwesen in der Hand von Daniel STRAUB, der die Tochter des 'Unteren Steigmüllers' Kaspar PHARION heiratete, vereinigt. Zwei seiner Großväter hatte man auf den Vornamen Christoph getauft, der Volksmund nannte sie daher 'Stoffelmüller'. Als der Untere Steigmüller Lukas STRAUB dann nur Schimmel an seine Müllerwagen spannte, entstand die Bezeichnung 'Schimmelmühle'. In ihr erblickte 1815 der 'Mühlenfürst' des Filstales, Daniel STRAUB der Gründer der heutigen WMF das Licht der Welt. Im Jahr 1921 wiederholte sich die 1807 unterbrochene Vereinigung der beiden Steigmühlen als Eigentum von Eugen STRAUB, der die 'Schimmelmühle' gekauft hatte. Die Schimmelmühle zählt noch Heute zu den Großmühlen des Filstales.


Quelle: Karl Kirschmer, Mühlenchronik des Filstales.